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Artikel getaggt mit ‘Riga’

back in berlin

Sind wieder gut in Berlin gelandet! Viel gibt es von heute nicht mehr zu berichten. Sind noch einmal duch die Stadt gestromert, haben den Bus pünktlich erwischt und auch der Flieger war – trotz der neuen Terrorwarnungen – pünktlich. Der Höhepunkt war, dass ich dem Sicherheitspersonal am Flughafen ein Taschenmesser schenken durfte… das ich wieder einmal vergessen hatte vor dem check-in aus dem Handgepäck zu nehmen.

Es fiel mir zwar auch sofort ein, nachdem ich meinen Hinkelstein auf dem Transportband verschwinden sah, aber da war es natürlich schon zu spät…. Der Versuch es dann durch die Sicherheitskontrolle zu schmuggeln ging selbstverständlich daneben, aber halb so schlimm, die Letten hatten ja noch kein Messer von mir und es war ausnahmsweise die billige Ausführung von Globetrottel.

Das Wetter hat sich auch schon auf unsere Rückkehr eingestellt. Nachdem in unserer Abwesenheit sommerliche 20°C gemessen wurden, soll es kommende Woche mal wieder Schnee geben. Ist ja auch richtig so, wir bekommen noch Besuch aus Kanada und denen hatte ich letztes Jahr vorgejammert wie kalt der Winter auch in Deutschland sein kann…

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letzter Tag

Wir fahren zwar morgen erst, aber da wir spätestens 11:30 Uhr den Bus Richtung Flughafen entern müsse, ist das heute eigentlich der letzte Tag. Grosses Programm haben wir nicht. Das Okkupations-Museum steht bei jedem Staatsgast auf der Liste und da wollen wir uns nicht lumpen lassen (und kosten tut diese Sehenswürdgkeit nichts!)

Also auf zu dem klobigen Kasten neben dem Schwarzhäupterhaus. Die Letten hatten es in den letzten 80 Jahren schon nicht so ganz einfach. Die Souveränität hat die kleine Baltenrepublik erst 1920 erreicht und 1939 dann auch schon wieder verloren, nachdem den Sowjets durch den Nichtangriffspakt mit Deutschland das Baltikum als Interessensphäre zugesprochen wurde. Ein Jahr später haben die Deutschen bei der Suche nach Lebensraum im Osten die Russen abgelöst und nach dem Krieg wurden bis 1991 wieder rote Fahnen gehisst. Dabei war keiner der Besatzer gerade zimperlich. Die Deutschen hatten noch den Vorteil das die 12 Monate russische Unterdrückung 1940/41 an Grausamkeiten kaum zu ueberbieten war, und sie deshalb als das kleinere Übel akzeptiert wurden. Alles in Allem also viel Stoff mit dem man eine Ausstellung gestalten kann (die sehr interessant ist auch wenn sie ein wenig zuviel Lesearbeit erfordert….).

Danach sind wir bei dem guten Wetter noch ein wenig um die Innenstadt herum flaniert.old_new.jpg Riga ist bekannt für seine Jugendstilbauten und in den Strahlen der Abendsonne juckt der Finger am Auslöser. Ein wenig ärgerlich ist dabei, dass der Himmel überall mit Leitungen zugehängt ist. Ob Tram, Trolleybus, Strassenbeleuchtung oder die einfache Stromleitung, jedes Kabel hängt über die Strasse und blockiert die Sicht.

Für alle die es interessiert noch eine Kurzmeldung die es nicht bis zu Reuters geschafft hat: Das Wasser läuft wieder und unser Herbergsvater hat als kleine Entschädigung eine Flasche Riga-Champanger auf das Zimmer gestellt!

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Jurmala

Heute geht es also nach Jurmala, das Ostseebad der Riganer und in fruehen Jahrhunderten das der Reichen und Schoenen. Zwischendurch die Badewanne der Russen und jetzt einfach ein beliebter Badeort.

Mit dem Bus soll man schneller sein, aber wir entschliessen uns dann doch die Bahn zu nehmen. Die Fahrkarte kostet laeppische 48 Santimi und soll ca. 30 Minuten dauern. Das Ticket zu organisieren ist auch kein groesseres Problem, doch das richtige Gleis zu finden schon. Es gibt da zwei verwirrende Angaben. Einmal Peroni und Cents. Beide stehen nebeneinander auf der Anzeigtafel und auch beide sind wie Bahnsteige ausgewiesen. Ganz loesen koennen wir das Problem nicht, ist aber auch nicht noetig, denn wie sich herausstellt sind Peroni 4 und Cents 3 absolut dasselbe. Nicht nur der Zug ist russischer Bauart auch die Arbeitsablaeufe gehen noch ihren sozialistischen Gang. Jeder Wagen hat seine eigene Schaffnerin (uebrigends auch jeder Bus in der Innenstadt!), die einen muerrisch anschaut und mit tiefer Verachtung einen Stempel auf die Quittung haut, die die Fahrkarte sein soll. Um in den Zug hineinzuklettern muss man schon ein paar Hoehenmeter ueberwinden. Schade das diesmal kein Stoeckelwild in Reichweite ist, dem man dabei zuschauen kann… ;)

Jurmala hat ein wenig was vom Darß, allerdinge macht kein Bodden aus dem Ort ein quasi Halbinsel, sondern die Lielupe die etliche Kilometer parallel zur Kueste fliesst und den Eindruck vermittelt nicht mehr so ganz auf dem Festland zu sein. beach_jurmala2.jpgDer Ort Jurmala selbst besteht aus mehreren Teilorten und streckt sich ueber 30 km. Wir sind gleich am ersten (oestlichsten) – Bulduri – ausgestiegen und von dort die ca. 3 Km bis zum Hauptort Majori gelaufen. Vom Bahnhof geht man ca. 1 Km bis zum Strand, vorbei an vielen kleinen und grossen Villen, wie man sie auch in den alten deutschen Osteebadeorten sieht. jurmala_house.jpg Viele sind schoen renoviert, manche auch weniger und dazwischen sieht man auch den ein oder anderen Neubau. Auch an diesen Ferienhaeusern sind nicht selten Ueberwachungskameras zu sehen, verreaet dann doch, dass hier wohl nicht der Durchschnittslette seine Datsche hat. Mit dem Wetter haben wir echt Glueck! Die Sonne lacht und auch wenn man nicht im entferntesten auf die Idee kommt sich ueber den Schneerand und die Eisschollen hinweg in das Wasser zu schmeissen, der unendlich lange schoene Strand laesst einen sofort an Sommer denken! Weiter westlich sollen die Russen ein paar Bettenburgen hochgezogen haben, aber von denen sieht man zum Glueck nichts. Majori hat ein wenig was von einem deutschen Kurort. beach_jurmala1.jpgEine zentrale Einkauf-Bummel-Str. die wohl erst kuerzlich renoviert wurde (nicht wirklich haesslich aber auch nicht schoen) gespickt mit kleinen Laeden und ab und zu mal ein Hotel, ein Spa oder ein Cafe. Im Sommer soll es hier schon richtig voll werden, aber wie gesagt ist der Strand 30 Kilometer lang und selbst wenn Riga mit Mann und Maus hierhertrecken wuerde, es sollte doch genug Platz fuer alle geben.

Den Sonnenuntergang haben wir dann von der Skybar im Reval Hotel Latvija aus genossen. Ist ein Muss fuer jeden Riga-Reisenden. Viele Hochhaeuser gibt ja nun nicht in dieser Stadt und umso besser ist die Aussicht, die man hier vom 25 Stock aus hat. Die Autodichte ist noch unter EU Durchschnitt, ich glaube bei 300 PKW/Tsd Einwohner, aber trotzdem schaffen die Letten es einen schonene Feierabendstau zu produzieren,…traffic.jpg den man gelassen von hier oben verfolgen kann, wie er sich wie eine Schlange durch die Stadt zieht, um irgendwo hinter der Bruecke auf der anderen Flussseite zu verschwinden. Wieder im Hostel angekommen erleben wir mal wieder ein kleine Ueberraschung. Ich weiss nicht ob wir gerade die alltaeglichen Probleme eines Riganers nachvollziehen duerfen, aber nachdem die letzten 1 1/2 Tage die Glotze nicht lief ist seit heute das Wasser ausgefallen. Den Flimmerkistenentzug konnten wir noch gut verkraften, jedenfalls besser als die meisten Russen die mit uns in dem Hostel sind und die nun schweigend in dem Gemeinschaftsraum sitzen und staendig in Richtung Glotze schielen, in der Hoffnung das sie doch gleich wieder laeuft.. Aber kein Wasser zu haben ist schon Scheisse. Denn genau die stapelt sich dann schon bald an den einschlaeigigen Orten… Der Eigentuemer des Hostels (ein Schwede) ist auch mittelpraechtig genervt. Den Klempner hat er gleich gerufen und der ist auch gleich gekommen. Aber waehrend der Reperatur schlug die Uhr Feierabend und da viel ihm der sprichwoertliche Hammer aus der Hand und er verabschiedete sich bis zum naechsten Tag :)

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dritter Tag

Heute scheint uns das Wetter nicht ganz so hold zu sein. Die Wetterfee erklaert das so: Da wir suedwest-Wind haben, kommt die warme Luft ueber die Ostsee und sammelt dabei fleissig Feuchtigkeit. Was wir dann bekommen ist Nebel, hohe Luftfeuchtigkeit und Nieselregen… Aber alles nicht weiter schlimm, die Temperaturen sind immer noch ertraeglich und fuer die Jahreszeit hier rekordverdaechtig. Naruerlich nix zu den 19C die wohl gerade in Berlin herrschen… Duena Haben heute mal die Tramm genommen und sind ein paar Stationen ueber die Bruecke auf die andere Flussseite gefahren. Dass es ausserhalb der historischen Innenstadt nicht mehr ganz so geleckt aussehen wird hatten wir uns ja schon gedacht. Wird sogar richtig doerflich. An einigen Ecken ist schon fleissig renoviert oder neu gebaut worden, an anderen stehen noch Einfamilien-Datschen, an denen der Zahn der Zeit schon kraeftig geknabbert hat. Auf dem Rueckweg sind wir nochmal zu den Markthallen und sind kaum angekommen, da werden wir von seltsam vertraut abstossenden Klaengen empfangen. An einem der CD-Staende wird tatsaechlich deutsche Volksmusik vom allerfeinsten unter das Volk gebracht… Also schnell weiter! Das dem Kulturzentrum aehnliche Gebaeude (siehe Vortag) ist tatsaechlich eine stalinistische Schenkung (hier habt ihr den Bauplan, nun baut mal!) und beherbergt die Akademie der Wissenschaften. Das ganze Viertel ist frueher von Russen durchsetzt gewesen und deshalb findet man hier auch noch einige orthodoxe Kirchen.

Was haben wir heute noch entdeckt? Zum Beispiel das bei der Baltisierung an Vor- und Nachnamen ein S angehaengt wird und aus W ein V wird. Also ist Richard Wagner, der einige Jahre hier verbracht hat Richards Vagners und auf einem Plakat dessen Sinn mir verborgen blieb, ging es um Verners von Siemens. Aber auch an einigen alten Gebaeuden sieht man noch Namen wie Vilhelm soundso Baecker oder Kaufmann etc…

Noch etwas zur RigaCard: Lasst die Finger davon! Die Idee ist zwar ganz gut (Nutzung fast aller Nahverkehrsmittel und freier Eintritt in fast alle Museen), aber man kommtdaecher.jpg billiger weg wenn man alles vor Ort bezahlt. Der OEPNV kostet pro Fahrt 30 Santim (oder so, die Einheit unter dem Lat) und die Innenstadt, in der alle interessanten Sehenswurdigkeiten liegen, ist wirklich klein (ca. 1Km lang)!! Museen gibt es zwar einige aber mehr als eines pro Tag tut man sich ja eigentlich nicht an und selbst die kosten weniger als 1 Lt pro Person! Das drei Tage Riga-Ticket kostet 16 Lt/p.P., eine kurze Kalkulation ergibt also das sich das nie lohnen kann!

Morgen wird Ostseeluft geschnuppert, bis bald!

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zweiter Tag in Riga

Haben den Tag ersteinmal mit einem deftigen Fruehstueck begonnen, dass mich bis zum Ende des Tages mehr als saettiges sollte. Eigentlich nur ein Omlett nach Art des Hauses, aber das hatte es in sich. Von den Ausmassen her einer Calzone ebenbuertig und mit dem Sauerrahm einer Tagesproduktion Lettlands versehen war das wirklich mehr als ein Zahnlueckenfueller….

Das Wetter hat mitgespielt und die Sonne lacht vom Himmel, aber da unsere Rigacard nur noch bis Dienstag gilt und Montag die Museen geschlossen haben, sind wir als erstes durch das Kunstmuseum im alten Arsenal geschlendert (nur was fuer Fans von Zarina) und danach in das historische Museum. Man merkt gleich das Museen anschauen wohl eher ein deutsches Hobby ist (gerade bei dem Wetter), denn ausser uns sind dort nur deutsche Rentner unterwegs. Die Ausstellung an sich ist schon sehr interessant, aber bis auf eine DIN A4 Seite die am Eingang jeden Raumes ausliegt, sind alle Exponate nur in lettischer Schrift erklaert. Macht trotzdem nix, denn das meiste ist selbsterklaerend!

Danach also nun nocheinmal durch die Stadt nach Plan. Riga ist wirklich eine sehr schoene Stadt, die sehr durch den Jugendstil gepraegt ist, aber auch die deutsche Geschichte findet sich an der ein oder anderen Ecke. Schliesslich ist Riga einmal von Deutschen gegruendet worden, war Jahrhunderte lang unter deutscher Herschaft (unter den deutschen Ordensrittern oder als Teil des heiligen roemischen Reiches deutscher Nationen) und auch in der Zeit danach waren es zum grossen Teil die deutschstaemmigen Buerger die die Geschicke der Stadt beeinflusst haben. Die Baecker und Konditoren zaubern leckere Kuchen und genau dieser Name hat sich dann auch aus dem deutschen ins lettische heruebergerettet. Andere Aehnlichkeiten in der Sprache sucht man lange, vor allem weil an jeder Ecke auch russisch geredet wird. St. Petri Was faellt einem sonst in Riga ins Auge? Vor allem natuerlich die Frauen! Die haben sich schoen aufgebretzelt (es ist schliesslich auch noch Wochenende) und duerften bei dem Schuhwerk und der Relation von Aussentemperatur und Rocklaenge chronisch an Achillesehnenverkuerzung und diversen Blasenerkrankungen leider, aber schoen sehen sie aus!!!! Ueberhaupt scheint bei den sonst unueblichen Plusgerade hier Sommergefuehle ausgebrochen zu sein, denn auch 3/4 Hosen gehoeren schon zum Strassenbild! Auf die Theorie das die Osteuropaerinnen sich deshalb so auftakeln (und mehr auf ihre Figur achten als ihre westlichen GegenSTUECKE), weil sie alle hoffen sich einen reichen Mann zu angeln will ich nicht naeher eingehen, schliesslich ist sie auch nicht von mir (sondern von einer Russin! ;) . Ansonsten sieht man, dass sich auch hier langsam die Ketten jeglicher Coleur durchsetzen. Der Reisefuehrer schwaermt noch von den vielen Cafes die es in der Stadt gibt, aber was einem am ehesten ins Auge faellt sind die Gegenstuecke zu Star Bucks (die gibt es zum Glueck noch nicht) wie Coffee Nation, Double Coffee etc… Viele Spielhoellen gibt es auch und die Nachclubs haben alle die Aura von Bordellen, jedenfalls von aussen, da ich nicht alleine bin haben wir uns in keinen hineingewagt. Das mag aber auch täuschen, denn diese Etablissements werden hier Naktsbars genannt, was nur das lettische Wort fuer Nachtbar ist und wahrscheinlich nichts mit Nackedeis zu tun hat… ;)

Erfreulich ist das man hier anscheinend jede Telefonzelle in einen Hotspot verwandelt hat. Habe mein Schlepptop zwar nicht dabei, aber an sich war das ja auch einmal eine Idee die die Telekom hatte. Wenn ich mich recht entsinne gab es am Hackeschen Markt in Berlin auch mal so einen Beta-Hotspot in Form einer Telefonzelle. Hier hat man das jedenfalls fleissig ausgebaut und so duerfte die Innenstadt komplett versogt sein. wifi.jpg Eine weitere sehr gewoehnungsbeduerftige Sache ist die lettische Waehrung der Lat(s). Nicht das der Name Probleme macht, aber zur Abwechslung ist dieses Geld mal mehr Wert als ein Euro (0,7:1) und dazu kommt das in einigen Geschaeften auch noch die Maerchensteuer (18%) nicht ausgewiesen ist und man schnell mal 50% auf den so billig erscheinenden Preis aufschlagen muss. Es gibt uebrigends eine sehr schone Shoppingmall, Galleria irgendwas. Dort findet man alle Geschaefte die man sonst so auch in Deutschland zu den ueblichen Verdaechtigen in den Malls zaehlen darf, aber leider sind die Preise nach Umrechung auch fast identisch. Natuerlich sind hier auch viele Sachen billiger. Lebensmittel zum Beispiel. Gleich hinter dem Bahnhof gibt es einen grossen Markt der sich in vier grossen Hallen verteilt. Hier gibt es alles was das Herz begehrt, von den Schweineohren (nicht vom Baecker) bis zur Apotheke. Die Hallen haben uebrigends auch die Deutschen waehrend des ersten Weltkrieges als Hangars fuer Zeppeline gebaut. Hinter besagten Hallen steht noch so ein Stalinistischer Prachtbau der dem Kulturzentrum in Warschau sehr aehnlich ist. Werden morgen mal erkunden was sich dort noch verbirgt, fuer heute war das mal wieder genug. Wir speisen gleich noch bei ChiliPica, dem lettischen Gegenstueck zu Pizzahut, und werden dann mal sehen welche Kneipe wir heute beeehren werden!

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