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Haifa, Haifa….

Unser BalkonHeute wird Gilat Schalit entlassen. Keine Ahnung wieviel Wellen das in Deutschland werfen wird, aber hier ist es schon die ganzen letzten Tage das allbestimmende Thema. Seit fünf Jahren von der Hamas entführt soll nun zum ersten Mal ein israelischer Soldat lebend freigelassen werden. Natürlich nicht umsonst, das Lösegeld sind 1.000 (in Worten eintausend) Insassen aus israelischen Gefängnissen. Keine Falschparker, sondern allesamt verurteilt wegen Terroranschlägen, Mord und ähnlichem. Es ist wohl der größte Gefangenenaustausch der bisher stattgefunden hat, aber es ist wohl auch das erste Mal das ein israelischer Soldat lebend zurück kommt. Vergleichsweise hohe Preise wurden schon für die Rückgabe von Körperteilen und Leichen bezahlt. Im Radio hört man alle paar Minuten “Gilad Schalit Arbeiter!” was wohl soviel bedeutet wie: Gilad Schalit kommt nach Hause.

Aber zuerst geht es runter zum See Genezareth. Amirim liegt zwar nur rd. 650 m ü.N.N., aber der See liegt noch einmal 212 m u.N.N. Soweit Wikipedia…. Aufgrund geringer Regenfälle in den letzten Jahren und der stetigen Wasserentnahmen (der See ist die wichtigste Frischwasserquelle des ganzen Landes) ist der Wasserspiegel stetig am Fallen. Legen wir getrost noch mal 8 m drauf, dann beträgt unsere Talfahrt schon rd. 870 m! Der fallende Wasserspiegel ist tatsächlich ein riesiges Problem. Das Tiefenwasser des Sees besteht aus Salzwasser und je geringer die Süßwasserschicht wird, desto größer wird die Gefahr, dass sich beide Schichten vermischen, mit der Folge, dass der See umkiptt.

Auf der Fahrt überqueren wir den Jordan. Ein etwas ernüchterndes Erlebnis, denn irgendwie hatte ich mir ihn doch als mächtigen Fluß vorgestellt. Nicht wie Rhein oder Elbe, aber eben doch größer als die Oker… Und was wir zu dieser Jahreszeit sehen ist eher die Schunter… Am See suchen wir nach einem schönen Badestrand, aber entweder haben wir kein guten Händchen bei der Wahl (was ich hoffen will) oder der See ist neben Trinkwasserreservoir auch Müllhalde geworden. Richtigen Sandstrand gibt es natürlich nicht, und wenn, dann wäre dieser jetzt auch ein paar Meter höher gelegen. Aber der “Strand” hat eine Kippendichte (Zigarettenstummel/m²) die stark an den Volkspark F”hein erinnert. Am Ufer kommen uns auch gleich zwei Fische entgegen geschwommen, allerdings sind es Rückenschwimmer… Baden fällt also aus, ein Kurzversuch auf Wasser zu laufen scheitert,.. daher verkürzen wir also den geplanten Badestop und fahren weiter Richtung Haifa. Wir sind am östlichen Ufer des Sees und die Straße auf der wir fahren ist eigentlich die Grenze. Neben uns strecken sich die Golanhöhen in den Himmel, die Israel im Sechstagekrieg erobert hatte. Ein schönes Panorama, das den schnöden Beinamen DMZ trägt…

 

Bahai Garden

Trotzdessen wir unsere Badepause gestrichen haben, kommen wir erst gegen 17:00 Uhr in Haifa an. An sich haben wir uns heute auch nur ein Ziel gesetzt: Die Bahai-Gärten! Wird auch allerhöhste Eisenbahn, denn auch die schliessen bald. Den Schrein des Bab kann man leider nicht besichtigen, aber der Blick auf die Gärten allein ist schon der Hammer. Wunderschön angelegt und pingelig gepflegt, da wundert es  nicht, dass sich am Fuße der Gärten die deutsche Kolonie anschliesst. Die Deutschen haben tatsächlich eine entscheidende Rolle beim Aufbau Haifas getragen. 1869 hatte die Templergesellschaft ein kleines Dorf gegründet, welches wichtige wirtschaftliche und technologische Impulse für das gesamte Land gab. Außerdem bewirkten die verschiedenen Vizekonsulen aus den Reihen der Sieddler, dass eine stärker werdende Verbindung zwischen dem Osmanischen Reich (dessen Teil Palästina zu der Zeit war) und dem Deutschen Reich entstand. Die meisten Deutschstämmigen sind dann während der britischen Besatzung vertrieben worden, so dass auch dieses Kapitel ein ziemlich abgeschlossenes ist. Wir schlagen uns auf der Ben Gurion den Magen voll und dann wird es auch allerhöchste Zeit wieder Richtung Tel Aviv aufzubrechen, denn Arvid hat sein Tagespensum hinter sich.

Die meisten Häuser in unserer Gegend sind “aufgebockt”, damit man darunter noch Platz für Autos etc. hat. Häufig wurden die inzwischen zu Wohnungen zugebaut, aber bei uns ist daraus ein kuschlige “Lounge” mit zwei Sofas einer schingenden Plattform und einer Terasse geworden. Genau der Ort an dem man sich Abends noch ein paar Bierchen hinter die Binde kippt. Sababa!

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