Nachbrenner Israel & Bilderrätsel
Gerade kam der DHL-Mann und hat mein restliches Gepäck gebracht, viel länger konnte der Rucksack also auch nicht Urlaub machen…
Und hier noch ein kleines Bilderrätsel, Auflösung erfolgt Mitte April 2012:

Moschaw Herut
Heute noch einmal ganz entspannt Frühstücken und dann fahren wir zu Naama&Nico nach Herut. Sobald Tel Avivi Kinder bekommen ist es der Traum aller vieler raus aufs Land zu ziehen. Dementsprechend findet man in den Moschaws (Unterschied zwischen Moschaw und Kibbuz bitte selber nachlesen) immer mehr Neubaugebiete, in denen sich keiner für die Landwirtschaft interessiert.
Bei Namen sind die Israelis nicht so erfinderisch, das beginnt bei den Vor- und Nachnamen, die sich doch sehr häufig wiederholen (dafür haben sie alle eine Numme sic!) und das ist bei den Städtenamen nicht anders (o.k., wie viele Neustadt gibt es in Deutschland?!). Jedenfalls führt es dazu, dass wir eine kleine Ewigkeit Richtung Beit Herut fahren, bis wir merken, dass wir ja eigentlich nur nach Herut wollen… Zum Glück sind wir wenigstens in die richtige Himmelsrichtung gefahren, allerdings auf der „A2 Israels“. Meint, Stop&Go bis zum Horizont.. Kommen also mit ein wenig Verspätung zum BBQ. Als ich vor zwei Jahren hierher kam war es Sommer und die Temperaturen so, dass man sich ohne Asbestunterwäsche nicht vor die Tür getraut hat, aber der israelische Herbst ist auch hier wie ein teutonischer Supersommer. Nach einem schönen Spaziergang müssen wir dann aber auch schon los…
Am Flughafen hilft es zwar sehr, dass Naama für uns die Fragen beim Sicherheitsinterview beantwortet, aber beim Scannen des Gepäcks verlieren wir mal wieder ordentlich Zeit. Die wohl ziemlich neue Kiste hat die Angewohnheit die Aufkleber mit dem 3D-Barcode von den Koffern zu lutschen und diese dann“nakich“ wieder auszuspucken. Was bedeutet dass man sich noch einen Sticker holen muss und sich das ganze wiederholt. Das geht nicht nur uns so, sondern auch allen anderen, weswegen die Schlange nicht kürzer zu werden scheint. Irgendwann sind wir dann aber durch und versuchen mit Engelszungen noch die Plätze gleich hinter der BusinessClass zu bekommen, da man nur dort die Babykrippen einhängen kann und die Kiddies einem nicht die ganze Zeit auf dem Schoß sitzen müssen. Aber keine Versprechen, das sollen wir mit dem Flugzeugpersonal klären… Meinen Rucksack wollen die so nicht einchecken, das ist wohl auch was Neues, der muss am Sperrgutcheck-in abgegeben werden. Da sitzt ein gelangweilter Jüngling der auf den ersten Bartwuchs wartet und mehr damit beschäftigt ist mit seinem Telefon zu spielen. Eigentlich war es mir zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass es mein Rucksack nicht mit in unserem Flieder schaffen wird, aber was soll man machen….
Der Flug ist mal wieder relativ unspektakulär, nach 1 1/2 Stunden schläft Arvid ein und wir kommen sogar 10 Minuten vor der Zeit in Berlin an. Am Gepäckausgabe warten wir Geduldig bis der letzte Koffer vom Band ist und wir alleine sind… Der gute Mann bei der Gepäckverlustanzeige will gar nicht erst meine Namen hören, er weiss schon das mein Rucksack noch in Tel Aviv ist. Der kommt Morgen mit dem ersten Flieger und soll dann mit der Post zugestellt werden. Also noch schnell den Mietwagen geholt, um 02:oo Uhr sind wir wieder zuhause.
Tel Aviv mit dem Fahrrad erkunden
Als wir uns am Sonntag mit Shauli und Familie getroffen hatten, wurden wir spontan dazu eingeladen Tel Aviv mit dem Fahrrad kennenzulernen. Als die Beiden vor zwei Jahren in Berlin waren hatte ich das mit denen auch gemacht.
Fahrradfahren in einer Großstadt des Nahen Ostens? Lebensmüde? Was man für Jerusalem wahrscheinlich bejahen müßte ist in Tel Aviv ganz anders. Die Stadt ist gerade einmal 100 Jahre alt und bestimmte Neuerungen, wie etwa Radwege, sind tatsächlich ganz normal. Die sind auch hervorragend geeignet, um herauszufinden, ob man sich gerade noch in Tel Aviv oder vielleicht schon in z.B. Ramat Gan befindet. Die Stadt ist inzwischen mit ihren Nachbarstätten so verwachsen. dass die Übergänge fliessend sind. Nun könnte man meinen, dass es doch sinnvoll wäre den ganzen Klumpatsch zusammen zu legen und eine große Stadt daraus zu machen, wie. z.B. Groß Berlin. Aber auch hier wiehert der Amtsschimmel und die Bürgermeister von Ramat Gan, Giw’atajim etc. können gar keinen Enthusiasmus dafür entwickeln, ihre Arbeitsplätze abzubauen. Da jedoch keine Beschilderung darauf hinweist, wann man die eine Stadt verlässt und die andere betritt, sind die Radwege ein sicheres Kennzeichen, dass man sich gerade in Tel Aviv befindet und wo sie enden ist meistens auch die Stadtgrenze. Damit kein falscher Eindruck entsteht, Tel Aviv ist kein Fahrradfahrerparadis. Dort wo keine Radwege sind muss man nicht auf die Rücksicht von Autofahren hoffen und für die meisten scheint das Fahrrad im Wesentlichen ein Sportgerät zu sein und nicht unbedingt ein Fortbewegungsmittel das ein Auto ersetzen kann. Trotzdem macht es Spaß die Stadt auch mal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Am alten Flugahfen vorbei geht es auf dem neuen Baywalk zu einem Strand den wir bisher noch nicht kannten. Ein Träumchen hinter einem Wellenbrecher, wie unser Strand in Ahrenshoop. Ein kleines Manko: Die Wellen sind hier so stark, dass man eigentlich nur soweit hinein kann wir die Füße Grund finden.. oder eben mit einem Surfbrett um eben jene zu reiten.
Am Abend gibt es noch eines der legendären Familiendinner auf der Dachterasse von Liors Tante. Diese Terasse ist mal locker so groß wie unsere letzte Berliner Wohnung und das in einer Stadt in der die Mietpreise so hoch sind, dass die junge Generation schon seit Wochen auf die Straßen geht, um ein bezahlbares Leben einzufordern. Das Essen ist wie gewohnt Spitze, wie auch die letzten Tage an sich eine Fressorgie ohne Ende war. Heute ist leider schon unser letzter richtige Tag, morgen geht unser Flieger zwar erst um 18:30 Uhr, aber da man 2-3 Stunden vorher am Flughafen sollte, können wir anfangen die Stunden zu zählen.
Haifa, Haifa….
Heute wird Gilat Schalit entlassen. Keine Ahnung wieviel Wellen das in Deutschland werfen wird, aber hier ist es schon die ganzen letzten Tage das allbestimmende Thema. Seit fünf Jahren von der Hamas entführt soll nun zum ersten Mal ein israelischer Soldat lebend freigelassen werden. Natürlich nicht umsonst, das Lösegeld sind 1.000 (in Worten eintausend) Insassen aus israelischen Gefängnissen. Keine Falschparker, sondern allesamt verurteilt wegen Terroranschlägen, Mord und ähnlichem. Es ist wohl der größte Gefangenenaustausch der bisher stattgefunden hat, aber es ist wohl auch das erste Mal das ein israelischer Soldat lebend zurück kommt. Vergleichsweise hohe Preise wurden schon für die Rückgabe von Körperteilen und Leichen bezahlt. Im Radio hört man alle paar Minuten „Gilad Schalit Arbeiter!“ was wohl soviel bedeutet wie: Gilad Schalit kommt nach Hause.
Aber zuerst geht es runter zum See Genezareth. Amirim liegt zwar nur rd. 650 m ü.N.N., aber der See liegt noch einmal 212 m u.N.N. Soweit Wikipedia…. Aufgrund geringer Regenfälle in den letzten Jahren und der stetigen Wasserentnahmen (der See ist die wichtigste Frischwasserquelle des ganzen Landes) ist der Wasserspiegel stetig am Fallen. Legen wir getrost noch mal 8 m drauf, dann beträgt unsere Talfahrt schon rd. 870 m! Der fallende Wasserspiegel ist tatsächlich ein riesiges Problem. Das Tiefenwasser des Sees besteht aus Salzwasser und je geringer die Süßwasserschicht wird, desto größer wird die Gefahr, dass sich beide Schichten vermischen, mit der Folge, dass der See umkiptt.
Auf der Fahrt überqueren wir den Jordan. Ein etwas ernüchterndes Erlebnis, denn irgendwie hatte ich mir ihn doch als mächtigen Fluß vorgestellt. Nicht wie Rhein oder Elbe, aber eben doch größer als die Oker… Und was wir zu dieser Jahreszeit sehen ist eher die Schunter… Am See suchen wir nach einem schönen Badestrand, aber entweder haben wir kein guten Händchen bei der Wahl (was ich hoffen will) oder der See ist neben Trinkwasserreservoir auch Müllhalde geworden. Richtigen Sandstrand gibt es natürlich nicht, und wenn, dann wäre dieser jetzt auch ein paar Meter höher gelegen. Aber der „Strand“ hat eine Kippendichte (Zigarettenstummel/m²) die stark an den Volkspark F“hein erinnert. Am Ufer kommen uns auch gleich zwei Fische entgegen geschwommen, allerdings sind es Rückenschwimmer… Baden fällt also aus, ein Kurzversuch auf Wasser zu laufen scheitert,.. daher verkürzen wir also den geplanten Badestop und fahren weiter Richtung Haifa. Wir sind am östlichen Ufer des Sees und die Straße auf der wir fahren ist eigentlich die Grenze. Neben uns strecken sich die Golanhöhen in den Himmel, die Israel im Sechstagekrieg erobert hatte. Ein schönes Panorama, das den schnöden Beinamen DMZ trägt…
Trotzdessen wir unsere Badepause gestrichen haben, kommen wir erst gegen 17:00 Uhr in Haifa an. An sich haben wir uns heute auch nur ein Ziel gesetzt: Die Bahai-Gärten! Wird auch allerhöhste Eisenbahn, denn auch die schliessen bald. Den Schrein des Bab kann man leider nicht besichtigen, aber der Blick auf die Gärten allein ist schon der Hammer. Wunderschön angelegt und pingelig gepflegt, da wundert es nicht, dass sich am Fuße der Gärten die deutsche Kolonie anschliesst. Die Deutschen haben tatsächlich eine entscheidende Rolle beim Aufbau Haifas getragen. 1869 hatte die Templergesellschaft ein kleines Dorf gegründet, welches wichtige wirtschaftliche und technologische Impulse für das gesamte Land gab. Außerdem bewirkten die verschiedenen Vizekonsulen aus den Reihen der Sieddler, dass eine stärker werdende Verbindung zwischen dem Osmanischen Reich (dessen Teil Palästina zu der Zeit war) und dem Deutschen Reich entstand. Die meisten Deutschstämmigen sind dann während der britischen Besatzung vertrieben worden, so dass auch dieses Kapitel ein ziemlich abgeschlossenes ist. Wir schlagen uns auf der Ben Gurion den Magen voll und dann wird es auch allerhöchste Zeit wieder Richtung Tel Aviv aufzubrechen, denn Arvid hat sein Tagespensum hinter sich.
Die meisten Häuser in unserer Gegend sind „aufgebockt“, damit man darunter noch Platz für Autos etc. hat. Häufig wurden die inzwischen zu Wohnungen zugebaut, aber bei uns ist daraus ein kuschlige „Lounge“ mit zwei Sofas einer schingenden Plattform und einer Terasse geworden. Genau der Ort an dem man sich Abends noch ein paar Bierchen hinter die Binde kippt. Sababa!
Norden
Um auch mal andere Ecken von Israel kennen zu lernen geht es heute Richtung Norden. Unser erstes Ziel ist Akko. Eine Stadt mit einer langen, langen Geschichte von der bei mir irgendwie nur die Kreuzfahrerzeit hängen geblieben ist. Die Altstadt hat wirklich noch orientalisches Flair, auch wenn hier gerade irgendein Festival stattfindet, bzw. stattfinden wird, und daher überall mehr oder weniger leere Stände die Straßen säumen. Hier hat sich unter anderem auch Napoleon die Zähne ausgebissen, beim Blick auf die mächtigen Verteidigungsanlagen soll er wohl gesagt haben: „Wer Akko erobert, dem gehört die Welt“, dann ist er abgezogen…
Eine der Spezialitäten hier ist Hummus. An sich nichts besonderes, bekommt man an jeder Ecke, aber hier soll es eben besonders gut sein. So gut das man dafür sogar einige Wartezeit in Kauf nehmen muss, selbst in den kleinen Strassenrestaurants. Als Guy das erste Mal in Berlin war hat er für uns Hummus gemacht und seitdem bin ich etwas vorsichtig. Ich habe mich danach zwei Tage nicht weit von einer Toiletten entfernen können. Aber was solls, wir sind hungrig, es schmeckt hervorragend und sogar Arvid schaufelt es in sich hinein. Danach noch ein kurzer Abstecker zum Hafen, danach geht es weiter. Haben uns als Herberge für die Nacht ein schickes Zimmer in Amirim reserviert. Eigener Jaccuzzi, ungetrübter Blick auf den See Genezareth, das Leben kann so schön sein!


